DFG-Projekt: Tarifpolitik und Medien

Die Medienöffentlichkeit in politisch-ökonomischen Verhandlungen

Förderung: Deutsche Forschungsgemeinschaft

Projektlaufzeit: 01.07.2017-30.06.2020

Beteiligte Forscherinnen und Forscher: Prof. Dr. Oliver Quiring, Dr. Mathias Weber, Christina Köhler

Kurzbeschreibung:

Zahlreiche Entscheidungen von gesamtgesellschaftlicher Reichweite sind Gegenstand von Verhandlungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit: Künftige Regierungskoalitionen, die Bedingungen des Brexits, Unternehmensfusionen oder die Regelung von Gehältern und Arbeitszeiten in Tarifverträgen. Dennoch gerät die klassische Form des Verhandelns hinter verschlossenen Türen zunehmend in die Kritik (z.B. Debatte im Zuge von TTIP). Der Vorwurf lautet: Verhandlungen sind in der Regel intransparent, befördern Klüngelei unter Eliten und verhindern die klare Zuschreibung von Verantwortlichkeiten. Aus verhandlungstheoretischer Sicht soll der Ausschluss der Öffentlichkeit dazu dienen, einen Raum für eine kompromissorientierte Entscheidungsfindung zu bieten. Doch wie verhält sich dieses Spannungsfeld zwischen der Forderung nach mehr Transparenz und dem Versuch, eine gute Atmosphäre für die Kompromissfindung zu schaffen, in der heutigen Mediengesellschaft? Gerade bei Themen von breiter gesellschaftlicher Relevanz ist das öffentliche Interesse groß, die Massenmedien berichten z.T. intensiv über das Geschehen und bedingt durch die Digitalisierung agiert die Medienwelt mit einer weitaus höheren Frequenz und wandelt sich aufgrund von ökonomischem Druck auch inhaltlich (z.B. zunehmender Negativismus).

Ziel des Projektes ist es, die Rolle der Medien in Verhandlungen von politischen und ökonomischen Eliten nachzuzeichnen. Der Fokus liegt hierbei auf Tarifkonflikten in der Bundesrepublik. Aufgrund der Vielzahl an Parallelen zu anderen Verhandlungssystemen eignen sich Tarifverhandlungen nicht nur als Untersuchungsgegenstand für die übergreifende Zielsetzung. Zugleich stellt auch das spezifische Zusammenspiel aus Tarifpolitik und Medien ein Forschungsdesiderat für sich dar. Basierend auf den individuellen Erfahrungen und Wahrnehmungen tarifpolitischer Akteure soll eruiert werden, wie mediale und öffentliche Kommunikation in publizistischen Massenmedien aber auch auf neuen digitalen Plattformen wahrgenommen und bewertet werden und welche Konsequenzen das im Verhandlungskontext sowie in der öffentlichen Kommunikation nach außen nach sich zieht.

In einem ersten Schritt werden dazu Expertengespräche mit erfahrenen Verhandlungs- und Medienexperten bei Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften aus zentralen deutschen Leitbranchen geführt. Diese Einsichten werden gemeinsam mit Erkenntnissen aus einem heterogenen Forschungsstand in ein theoretisches Modell überführt, das in einem zweiten Schritt auf quantitativer Basis geprüft werden soll.